Herzlichen Glückwunsch an unser Mitglied Lukas Schmitt, der vergangenen Sonntag den 10 Jahre bestehenden Fluggebietsrekord von Armin Harich überboten hat!
https://xccup.net/flug/77772

Dieses Jahr war bisher ein sehr gutes Erlau Jahr; bereits 30 der 100 weitesten Flüge insgesamt wurden im zweiten Quartal 2023 absolviert (mit 2x Klick in der Spaltenüberschrift nach „XC Punkte“ sortieren):
https://de.dhv-xc.de/flights?fkto%5B%5D=9340&l-fkto%5B%5D=Erlau%20DE#/start/1/limit/100

Hier der Flugbericht von Lukas:

Unverhofft kommt oft, oder auch – Ein unerwartet schöner Urlaubsabschluss, der viel besser nicht hätte laufen können

Die Wetterrmodelle sagen für Sonntag, den 25.06. einen leichten Ostwind mit guter Thermik voraus.
Da es mein letzter Urlaubstag ist, plane ich eher einen kurzen Flug, um am Nachmittag den Heimweg antreten zu können.
Um 11:00 Uhr am Startplatz in Erlau angekommen, stehen schon recht starke Ablösen am Hang an. Ich bereite meine Ausrüstung vor und starte gegen 11:30 Uhr.
Es geht sofort zuverlässig hoch, nach kurzer Zeit lasse ich mich auf ca. 1400m Richtung Neunkirchener Höhe versetzen.
Normalerweise gibt es ab dem Zeitpunkt kein Zurück – aber nicht heute, die Höhe ist zu knapp, um sicher den thermischen Anschluss vor der Rheinebene zu erwischen.

Also fliege ich noch einmal zurück nach Erlau. Mit dem nächsten Versuch klappt es, knappe 2000m stehen auf dem Vario. Genug, um den Anschluss zu erreichen.
Südlich vom Melibokus und kurz vor Bensheim finde ich mich aber schon wieder auf nur 700m wieder, zu wenig, um Bensheim sicher überfliegen zu können.
Die nächste Thermik funktioniert zum Glück zuverlässig, sie trägt mich dank Windversatz Richtung Westen über Bensheim hinweg auf wieder über 2000m.
Ab da läuft es flüssig, die Schlüsselstellen bei Einhausen und Worms erweisen sich heute als zahm.
So geht es weiter bis zu den Windrädern bei Monsheim, dort auf 1150m angekommen, funkoniert erst die zweite Thermik am nächsten Hügel, sie geht auf 2200m.
Der Donnersberg ist in greifbarer Nähe, und auf dem Livetracking sind dort andere Gleitschirmpiloten mit ordentlicher Höhe zu sehen – also nichts wie hin!

Dort angekommen, dauert es nicht lange, und es kommt die nächste zuverlässige Thermik.
Ab da ist das Fliegen ein purer Genuss, ein Bart nach dem anderen kündigt sich durch verstärktes Sinken an, um dann wieder zuverlässig nach oben zu ziehen.
Es geht vorbei am Truppenübungsplatz Baumholder, den ich sonntags überfliegen darf, und über den Nationalpark Hunsrück-​Hochwald. Im Hintergrund verschwindet der Donnersberg im Dunst, eine atemberaubende Kulisse.
Über Reinsfeld auf 2200m, es ist mittlerweile 18:15 Uhr, kann ich in der Ferne langsam die ersten Moseltäler erkennen. Die Höhe reicht, um das letzte große Waldstück zu überqueren.
Jetzt geht es schnell, die Mosel ist in greifbarer Nähe – da wollte ich sowieso schon länger einmal hin. Mein Fliegerkollege Ralph hat in der Zwischenzeit den Fluggebietsrekord von Erlau herausgesucht, es waren 174,4 km.
Auf meinem Vario standen derweil ca. 160 km. Während wir telefonieren, fliege ich unaufmerksam durch eine Thermik, schalte zu spät und erwische sie nicht.

Die Quittung folgt sofort, bei Longen an der Mosel finde ich mich am tiefsten Punkt des gesamten Fluges wieder: Auf 585m zwischen schwierig landbaren Flächen.
Ob das noch was wird? Wurde es zum Glück, denn um 19:00 Uhr finde ich eine schwache, aber konstante Thermik, die mich auf 1000m zieht. Genug, um die Mosel bei Schweich überqueren zu können.
Dort wartet ein Hang mit Westflanke, auf den die Sonne scheint – ideale Voraussetzungen um diese Uhrzeit. Angekommen mit 830m, trägt mich die Thermik auf 1755m hoch.
Weiter geht‘s am Flugplatz Trier vorbei, der Wind hat zwischenzeitlich auf Süd gedreht und schiebt recht flott nach Norden. Das Telefon fängt an zu klingeln und Freude kommt auf, endlich ist die 10 Jahre alte Bestmarke aus Erlau gefallen.

Also nochmal bei Hetzerath auf knapp 1400m aufdrehen und ab in den Beschleuniger, bei tragender Linie genieße ich den Ausblick in die wunderschönen Moseltäler.
Mit Zeltingen-​Rachtig und der Hochmoselbrücke in Sicht lande ich nach 187,3km und 8 Stunden um 20:06 Uhr direkt in Wilich/​Wengerohr am Bahnhof, den mir Bengt glücklicherweise herausgesucht hatte.
Nach der Landung dann also schnell die Sachen packen, in der Hoffnung fix einen Anschluss Richtung Heimat zu bekommen. Leider ging zum nächsten größeren Bahnhof in Koblenz nur der Schienenersatzverkehr, und die Verbindung war mehr schlecht als recht.
Danke an Valerie, die sich ins Auto gesetzt hat um mich abzuholen.